Wer im Montafon wandern möchte, findet auf engem Raum alles vom gemütlichen Talweg bis zur anspruchsvollen Mehrtagestour über alpine Pässe. Ich zeige, welche Routen sich für Familien, Einsteiger und erfahrene Bergwanderer eignen, wann die beste Zeit für eine Tour ist und worauf es bei Bergbahnen, Ausrüstung, Wetter und Sicherheit wirklich ankommt.
Die passende Tour beginnt mit einer realistischen Einschätzung
- Drei Gebirgsgruppen prägen die Region: Rätikon, Silvretta und Verwall.
- Das Wegenetz umfasst mehr als 1.000 Kilometer und rund 55 Themenwege.
- Für Einsteiger eignet sich der Lünersee-Rundweg mit 6,1 Kilometern und 103 Höhenmetern.
- Familien und Genusswanderer finden auf Alp- und Themenwegen abwechslungsreiche, gut planbare Touren.
- Vor dem Start immer Wetter, Wegzustand und Bergbahn-Betrieb prüfen.

Warum das Montafon so viele verschiedene Wandertage ermöglicht
Das Montafon liegt im Süden Vorarlbergs in Österreich und zieht sich von Bludenz bis zur Silvretta. Die Landschaft wechselt auffallend schnell zwischen grünen Talböden, bewirtschafteten Alpen, schroffen Kalkwänden und hochalpinen Gletscherblicken. Genau diese Mischung macht die Region für unterschiedliche Ansprüche interessant.
Im Rätikon dominieren markante Felsgestalten wie die Drei Türme und die Zimba. Die Silvretta wirkt karger und alpiner, während das Verwall mit ruhigen Tälern, Wäldern und weniger bekannten Pfaden punktet. Ich finde diese Dreiteilung besonders praktisch, weil sich der Charakter einer Wanderung gezielt auswählen lässt, ohne das Urlaubsgebiet wechseln zu müssen.
Nach Angaben des regionalen Tourismusverbands gibt es mehr als 1.000 Kilometer Wanderwege und etwa 55 Themenwege. Die Zahl allein sagt allerdings wenig über die Qualität eines Wandertags aus. Entscheidend sind Höhenmeter, Untergrund, ausgesetzte Passagen, Einkehrmöglichkeiten und die Frage, ob die Rückfahrt zuverlässig funktioniert.
Von der Seerunde bis zur Hüttenrunde
Bei der Auswahl schaue ich zuerst auf die Höhenmeter und erst danach auf die Kilometer. Ein scheinbar kurzer Weg kann durch steile Anstiege, Geröll oder viele Gegenanstiege deutlich anstrengender sein als eine längere Route auf breitem Weg.
| Tour oder Tourentyp | Strecke und Zeit | Höhenmeter | Für wen sie passt |
|---|---|---|---|
| Lünersee-Rundweg | 6,1 km, etwa 2 Stunden | 103 m | Einsteiger, Familien, Genießer |
| Gauertaler AlpkulTour | 11,2 km, etwa 4 Stunden | 110 m | Familien mit Kondition, Kultur- und Landschaftsinteressierte |
| Hohes Rad Rundweg | 15,4 km, etwa 5,5 Stunden | 717 m | Geübte Tageswanderer |
| Montafoner Hüttenrunde | 13 Etappen, 131,1 km | 9.112 m Aufstieg | Erfahrene Weitwanderer |
Leicht und aussichtsreich am Lünersee
Der Lünersee-Rundweg führt auf rund 1.970 Metern Höhe einmal um den türkisfarbenen Stausee. Die Strecke ist mit 6,1 Kilometern und 103 Höhenmetern überschaubar, trotzdem sollte man feste Schuhe tragen, da neben Schotter auch natürliche Pfadabschnitte vorkommen.
Die Tour startet an der Bergstation der Lünerseebahn und eignet sich gut, wenn die Aussicht im Mittelpunkt stehen soll. Der Lünersee liegt am Ende des Brandnertals und gehört zur Gemeinde Vandans im Montafon. Für die Anreise sollte man deshalb genau prüfen, von welcher Seite die Bergbahn angefahren wird.
Alpenkultur auf der Gauertaler AlpkulTour
Die Gauertaler AlpkulTour verbindet Landschaft mit der Geschichte der Alpwirtschaft. Auf rund 11,2 Kilometern geht es durch den Rätikon, vorbei an Alpen und traditionellen Landschaftselementen. Mit etwa 110 Höhenmetern ist die Route konditionell moderat, die Gehzeit liegt bei ungefähr vier Stunden.
Diese Tour empfehle ich besonders dann, wenn eine reine Gipfelwanderung nicht das Ziel ist. Man bekommt ein besseres Gefühl für das Montafon als Kulturlandschaft und kann die Tour mit einer Einkehr verbinden. Bei Kindern sollte man trotzdem ausreichend Zeit einplanen, denn vier Stunden Gehzeit bedeuten mit Pausen schnell einen halben Tag.
Mehr Hochgebirge auf dem Hohen Rad
Der Hohes Rad Rundweg führt in die Silvretta und verlangt mit 15,4 Kilometern und 717 Höhenmetern deutlich mehr Ausdauer. Die etwa fünfeinhalb Stunden reine Gehzeit gelten nur bei stabilem Tempo und guten Bedingungen. Pausen, Fotostopps und eine mögliche Einkehr kommen noch hinzu.
Für eine erste alpine Tour würde ich diese Runde nicht bei unsicherem Wetter wählen. In höheren Lagen können Schnee, Nebel und nasse Felsen die Bedingungen schnell verändern. Wer den Weg unterschätzt, hat am Ende nicht nur müde Beine, sondern auch ein Zeitproblem bei der letzten Talfahrt.
Mehrtagestour für erfahrene Wanderer
Die Montafoner Hüttenrunde verbindet die drei Gebirgsgruppen auf 13 Etappen. Insgesamt kommen etwa 131 Kilometer, 9.112 Höhenmeter im Aufstieg und ein höchster Punkt von 2.772 Metern zusammen. Einzelne Etappen lassen sich auch separat gehen, die komplette Runde ist aber kein verlängertes Wanderwochenende für Anfänger.
Bei einer Hüttenwanderung müssen Übernachtungen, Reservierungen, Wetterfenster und mögliche Abkürzungen zusammenpassen. Ich würde immer mindestens einen Reservetag oder eine flexible Etappenplanung einbauen, denn ein Gewitter oder eine gesperrte Passage lässt sich im Hochgebirge nicht einfach ignorieren.
So plane ich Jahreszeit, Bergbahn und Anreise
Die klassische Wandersaison reicht im Tal meist von Mai bis Oktober. Hoch gelegene Wege und Übergänge können jedoch noch im Frühsommer verschneit sein. Im September und frühen Oktober sind die Temperaturen oft angenehmer und die Wege ruhiger, allerdings schließen manche Hütten und Bergbahnen bereits früher.
Die Bergbahnen sind eine große Hilfe, ersetzen aber keine Planung. Für den Sommer 2026 ist beispielsweise die Gargellner Schafbergbahn vom 12. Juni bis 11. Oktober durchgehend von 8:30 bis 16:30 Uhr vorgesehen. Andere Anlagen haben eigene Zeiträume, Wartungstage oder wetterbedingte Einschränkungen. Wer die letzte Talfahrt verpasst, muss einen ungeplanten Abstieg einrechnen.
Bei mehreren Wandertagen kann sich der Sommer-WildPass lohnen. Die veröffentlichten Preise für 2026 liegen bei 255 Euro für Erwachsene, 147 Euro für Kinder sowie 319 Euro für eine Familie mit einem Erwachsenen und 574 Euro für eine Familie mit zwei Erwachsenen. Für einen einzelnen Wandertag sollte man den Pass nicht automatisch kaufen, sondern die geplanten Bergbahnfahrten mit den jeweiligen Einzelfahrten vergleichen.
Für Reisende aus Deutschland ist die Anreise mit der Bahn über Bludenz und weiter bis Schruns eine vernünftige Option. Von dort fahren Busse in die Talgemeinden und zu verschiedenen Ausgangspunkten. Das spart Parkplatzsuche und ermöglicht Streckenwanderungen, bei denen Start und Ziel nicht identisch sind.
Eine wichtige Einschränkung betrifft die Silvretta-Bielerhöhe. Die Vorarlberger Seite der Silvretta-Hochalpenstraße bleibt nach der derzeitigen Betriebsinformation bis 2030 wegen Sicherungsmaßnahmen geschlossen. Im Sommer ist die Bielerhöhe über die Vermuntbahn und den Tunnelbus erreichbar, mit Auto oder Motorrad weiterhin über die Tiroler Seite.
Welche Ausrüstung auf den Wegen wirklich zählt
Für einfache Tal- und Panoramawege reichen bequeme, profilierte Wanderschuhe. Sobald Geröll, steile Wiesen oder längere Abstiege dazukommen, würde ich auf knöchelhohe Schuhe mit fester Sohle wechseln. Sie machen den Unterschied nicht bei jedem Schritt spürbar, aber besonders dann, wenn der Untergrund feucht oder uneben wird.
- Wanderschuhe mit griffigem Profil
- Regen- und Sonnenschutz, auch bei guter Morgenprognose
- Mindestens 1 bis 1,5 Liter Wasser pro Person
- Kleine Jause und Erste-Hilfe-Set
- Offline-Karte oder gedruckte Wanderkarte
- Warme Zusatzschicht für Höhenlagen
- Wanderstöcke bei langen Abstiegen oder unsicherem Untergrund
Ein häufiger Fehler ist, sich nur an der Farbe der Wanderwegmarkierung zu orientieren. Die Einstufung beschreibt nicht immer vollständig, wie anstrengend eine Route für die eigene Kondition ist. Ich prüfe deshalb zusätzlich Distanz, Aufstieg, Abstieg, höchste Höhe und Rückkehrzeit.
Wetter und Notfallplanung
Im Gebirge kann sich das Wetter innerhalb kurzer Zeit drehen. Bei Gewitterneigung starte ich früher, meide ausgesetzte Grate und verschiebe eine hoch gelegene Tour, wenn die Prognose keine stabile Phase verspricht. Ein früher Abbruch ist keine Niederlage, sondern oft die vernünftigste Entscheidung des Tages.
Auf den markierten Wegen sollte man bleiben und die Standortnummern auf den Wegweisern beachten. Im Notfall gelten in Vorarlberg 144 für alpine Notfälle, österreichweit 140 und europaweit 112. Bei der Meldung helfen genaue Angaben zu Standort, Unfall, betroffenen Personen und benötigter Hilfe.
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Rücksicht auf Tiere und Natur
Auf bewirtschafteten Alpen begegnen Wanderer Kühen, Kälbern und gelegentlich Herdenschutzhunden. Tiere nicht füttern, Abstand halten und Weideflächen zügig queren. Hunde gehören unter Kontrolle und sollten bei Mutterkühen besonders konsequent an kurzer Leine geführt werden.
Auch die schönste Aussicht rechtfertigt keinen Abstecher quer durch sensible Flächen. Abfall, unnötiger Lärm und das Verlassen markierter Wege belasten genau jene Landschaft, wegen der die meisten Menschen ins Montafon kommen.
Was einen guten Wandertag im Montafon abrundet
Eine Einkehr auf der Alpe gehört für mich zum Erlebnis dazu, sollte aber nicht die gesamte Zeitplanung bestimmen. Öffnungszeiten können von Saison, Wetter und Personal abhängen. Für längere Touren nehme ich deshalb immer genügend eigene Verpflegung mit und betrachte die Hütte als angenehme Ergänzung, nicht als einzige Versorgung.
Besonders reizvoll sind Wege, die Natur und regionale Geschichte verbinden. Alte Maisäße, Bergbaupfade, Sennereien und traditionelle Alpgebäude erzählen mehr über das Tal als ein Aussichtspunkt allein. Wer regionale Spezialitäten probiert, begegnet dabei auch Produkten wie dem würzigen Montafoner Sura Kees.
Familien fahren mit kurzen Themenwegen, Bergseen und gut erreichbaren Bergstationen meist besser als mit einer langen Gipfeltour. Für ambitionierte Wanderer bieten die Silvretta und das Verwall dagegen die nötige Höhe und Ruhe. Diese klare Aufteilung hilft, den Urlaub abwechslungsreich zu gestalten, ohne jeden Tag an die persönliche Belastungsgrenze zu gehen.
Mein einfacher Plan für einen starken Wandertag
Ich würde am Vorabend eine konkrete Route auswählen, den Höhenunterschied ehrlich einschätzen und die erste sowie letzte mögliche Bergbahn notieren. Am Morgen folgen Wettercheck, passende Kleidung und ein kurzer Blick auf aktuelle Wegsperren. Wer diese drei Punkte ernst nimmt, erlebt die Berge entspannter und hat mehr Aufmerksamkeit für das, was das Montafon eigentlich ausmacht.